Zu Beginn erleben wir Pawel als einen impulsiven, lebendigen, rebellischen, widersprüchlichen Jugendlichen. Seine Kraft und sein Wille zur Selbstbehauptung sind radikal. Aber sie sind nicht ideologisch kanalisiert – er handelt aus einer rohen, fast anarchischen Energie heraus, die intrinsisch motiviert ist.
Das erste Drittel habe ich gerne gelesen. Ostrowski erzählt flüssig und nimmt sich Zeit zur Ausgestaltung der Szenen.
Es folgen immer mehr gebrochene Szenen, die so abrupt geschnitten werden, dass es dilettantisch wirkt. Ein nachvollziehbarer Prozess kommt nicht zustande. Wir hetzen von einem Schauplatz zum nächsten.
Nach mehreren Sprüngen erleben wir diese Szene:
„Und wie steht's da mit der Disziplin? Bei dir, Pawel stimmt sonst alles so ziemlich, aber ein bisschen anarchistisch bist du doch. Was dir in den Kopf kommt, tust du einfach. Partei und Komsomol stützen sich aber auf eiserne Disziplin. Die Partei über alles! Ein jeder von uns muss nicht da sein, wo er möchte, sondern da, wo man ihn braucht.“
Kurz später dies:
„Es verstrichen noch einige Tage, und jede Begegnung, jedes Gespräch brachte größere Entfremdung und eine dumpfe Feindseligkeit in ihre Beziehungen. Der Individualismus Tonjas wurde Pawel immer unerträglicher. Beide begriffen, dass der Bruch unvermeidlich war.“
„Ich werde aber zuerst der Partei, dann dir und den anderen mir Nahestehenden gehören.“
Ach sieh an. Wie eine historische Gesetzmäßigigkeit können wir nicht mehr zwischen privater und politischer Sphäre unterscheiden?
Oh Wunder, Tadaaa! Es passiert einfach – als hätte es keine inneren Kämpfe gegeben, keine Brüche, keine Reflexion darüber- sind wir die Partei. Alternativlos versteht sich.
Mir ist klar dass das Propagandaliteratur ist. Wieso muss ich den Charakter dann zu Beginn so anlegen und erzeuge dadurch einen krassen Bruch der literarischen Plausibilität?
Wenn du schwarz weiß denken willst, dann leg es doch direkt so an. Das wär konsequent.
So was zerstört für mich jegliches Interesse, diese Farce weiter zu lesen.
Nur aus persönlicher Rache dafür, 1 Stern, obwohl ich das erste Drittel 3-4 Sterne würdig fand.