Angetrieben vom Kitzel des Extremen, der Suche nach Gefahr, bereist Carsten Stormer die Welt. Er lebt an Orten, die jeder andere Tourist meiden würde: Ob Afghanistan, Darfur oder Irak - kein Krisengebiet, in dem er nicht gewesen wäre. Auch Kambodscha war anfangs nur eine weitere Etappe auf seiner rastlosen Reise. Bis zu jener tragischen Begegnung: Auf einem verminten Feld liegt ein Mädchen mit schweren Verletzungen an Bauch und Beinen. Neben ihm kauert seine Schwester, das blutüberströmte Gesicht in den Händen vergraben. Die Explosion einer Mine hat sie beide Augen gekostet. Carsten Stormer ist zutiefst schockiert und wütend. Wütend darüber, dass niemand davon erfahren wird. Doch mit diesem Erlebnis bekamen seine Reisen endlich einen Sinn: Er würde der Welt berichten. Von all dem Leid, das den Menschen angetan wird - damit nichts in Vergessenheit gerät.
Mit Anfang zwanzig fühlt sich Carsten Stromer wie in einer Falle. Er macht eine Ausbildung für einen Beruf, den er hasst. Sein Leben ist ein Kompromiss und ist ihm zu eng geworden. Er macht einen radikalen Schnitt, gibt alles auf und beginnt, zu reisen. Aber nicht irgendwohin. Er geht in die Krisengebiet der Welt. Je gefährlicher, desto besser. Bald wird aus dem Reisen ein Beruf und aus dem Beruf eine Berufung.
Zu Anfang wirkt Carsten Stromer wie unzählige andere Jugendliche. Ohne konkrete Pläne für seine berufliche oder sonstige Zukunft probierte er Verschiedenes aus, scheiterte jedes Mal an der ersten kleinen Hürde und entschied sich schließlich für die sichere, aber langweilige Option. Jetzt ist er gefangen in einem spießigen Job unter lauter Spießern und will nur eines: raus.
Die Flucht gelingt ihm irgendwann und jedes Mal, wenn er von einer längeren Reise zurück kommt, gratuliert er sich innerlich dazu, dass er eben ganz anders ist als seine Freunde, sie außer Familie und ein paar kleinen Hobbies nichts haben. Diese Einstellung fand ich sehr arrogant, denn dadurch unterstellt er den Anderen, dass sie genau so passiv waren wie er. Dass sich jemand für ein Leben entscheidet, das in seinen Augen spießig ist, kann er nicht verstehen.
Genauso arrogant, wie er sich seinen alten Freunden gegenüber verhält, benimmt er sich anfangs auch auf seinen Reisen in die Krisengebiete der Welt. Er glaubt, die Lösung für viele Probleme zu haben und handelt einfach, ohne zu hinterfragen. Dabei macht er mehr als einmal große Fehler, die die Lager schlimmer machen als sie vorher war.
Es gab mehr als einen Punkt, an dem ich fast aufgehört hätte zu lesen. Die Beschreibungen von Gräueltaten wirkten wie eine Nacherzählung eines Films, seine Einstellung konnte ich nicht nachvollziehen und die Heldenverehrung der eigenen Person fand ich furchtbar. Aber plötzlich hat er mich gepackt. Auf einmal wurden die Berichte leiser, demütiger und ich habe gespürt, was er gesehen hat. Ab da konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Sein Weg mag nicht für jeden etwas sein und viele werden ihn auch nicht verstehen Aber ihm bei dieser Entwicklung zuzusehen, war etwas Besonderes.