„Justus Jonas. Eine Interpretation“ von Christopher Tauber und Illustrator Marius Pawlitza ist bei KOSMOS erschienen.
In seiner zweiten „Interpretation“ stellt Christopher Tauber den ersten Detektiv der Drei ??? in den Mittelpunkt. War Justus Jonas in „Rocky Beach“ noch die mysteriöseste Gestalt, bekommen wir hier erzählt, wie er zu dem Mann wurde, der er in diesem Graphic-Novel-Universum ist.
Tauber greift in der Geschichte einige Elemente auf, die aus der Hauptserie bekannt sind. Das wichtigste Motiv ist hier Justus‘ Vergangenheit als Kinderstar der Serie „Die kleinen Strolche“. Während in der Rahmenhandlung die erwachsenen Bob und Peter versuchen, Kontakt zu Justus aufzunehmen – nach den Ereignissen in „Rocky Beach“ ist er abgetaucht – erinnert sich Justus an die Zeit, als seine Freunde die Stadt bereits verlassen hatten.
Obwohl Justus der kluge Kopf und das Genie hinter dem Detektivbüro war, studiert er nicht – das lassen die finanziellen Verhältnisse von Onkel Titus und Tante Mathilda nicht zu. Stattdessen ist er zur Schauspielerei zurückgekehrt und hält sich mit Werbespots über Wasser. Als er auf seine alten Kinderstar-Kollegen von den „Kleinen Strolchen“ trifft, gerät er in ungesunde Gesellschaft und wird in dunkle Geschäfte verwickelt. Ein Studienkollege von Bob, der in der Vergangenheitshandlung kurz auftaucht, erzählt ihm vom „Fluch der kleinen Strolche“; denn schon mehrere Menschen, die an der Serie beteiligt waren, sind auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen. Justus kann das Detektivspielen nicht lassen – und schon bald gibt es noch mehr Tote.
Im Gegensatz zu „Rocky Beach“, wo die Vergangenheit der drei Detektive nur kurz angeschnitten wird, spielt „Justus Jonas“ vor allem während der „wilden Jugendjahre“ der Hauptperson. Die Gegenwartshandlung, die im ersten Teil begonnen wurde, kommt kaum voran, stattdessen zeichnen Tauber und Illustrator Marius Pawlitza eine detaillierte Charakterstudie von Justus. Interessanterweise scheint das traumatisierende Kindheitserlebnis, das im ersten Teil angedeutet wird, seine Entwicklung kaum beeinflusst zu haben, anders als man nach „Rocky Beach“ hätte vermuten können. Zumindest denkt Justus in diesem Band kaum darüber nach, sondern befasst sich vor allem mit dem Mobbing, das er in seiner frühesten Kindheit erlebt hat, und dem Kriminalfall, dem er als 18-Jähriger nachgegangen ist. Warum er seinen klugen Kopf nicht für ein Studium einsetzt – der Einwand, dass es Stipendien gibt, kommt sogar in der Geschichte selbst vor – wird nicht ganz klar. Vielleicht hat das dann doch wieder mit dem Trauma zu tun, das die Drei ??? einst getrennt hat.
Die Geschichte ist fast noch düsterer als „Rocky Beach“ und schafft es, schwierige Themen wie Mobbing, Missbrauch, Drogenabhängigkeit und Kriegstraumata (um nur einige zu nennen) in eine Handlung zu vereinen. Die Illustrationen von Marius Pawlitza schaffen die passende Kulisse dazu, die Hauptfiguren sind trotz des neuen Zeichners mit anderem Stil wiedererkennbar und erhalten Schatten und Tiefe.
Nun warten wir gespannt auf den nächsten Teil, der logischerweise Peter Shaw, den zweiten Detektiv, als Titelhelden haben muss, uns aber auch hoffentlich in der Handlung in Rocky Beach weiterbringt – schließlich ist dort längst nicht alles aufgeklärt…