Der Plot und die Charakterisierung der Figuren sind super. Keiner ist wirklich so, wie er anfangs scheint.
Aber insgesamt gibt es auch Einiges, das mich wirklich genervt hat.
Ellie und Amelia kümmern sich nach dem Schlaganfall abwechselnd um ihren Vater. Ellie hat dafür ihr Studium abgebrochen und ist zurück in der Kleinstadt, die sie hasst und Amelia ist schon mit ihren Töchtern, dem Mann, dem Haus und der Firma überfordert.
Dann werden Amelia und ihr Mann Steve überfallen und angeschossen, es gibt einen Toten und ein Freund der Familie ist auf der Flucht.
Während Amelia erzählt, wie sich die Sache wochenlang angebahnt hat, versucht Ellie im Nachhinein herauszufinden was passiert ist. Zwei Wege zur gleichen Katastrophe...
Die beiden Perspektiven bieten Einsicht in die jeweilige Gefühlswelt und Gedanken, so dass man als Leser den Protagonisten voraus ist. Und trotzdem erschließt sich Vieles nicht.
Plötzliches Misstrauen, Gefühlschaos und irrationale Verdächtigungen, die ich nicht nachvollziehen konnte. Gedanken, die an sich normal sind, im Kontext aber nicht schlüssig. Oft ist unklar warum Dinge nicht einfach angesprochen und geklärt werden. Gefühle, die scheinbar schon seit Jahren herrschen, kündigen sich nicht an sondern werden nur im entscheidenden Moment erwähnt oder nachdem die jeweilige Entscheidung gefallen ist.
Was gut rüberkommt ist wie unzufrieden alle sind. Ellie mit ihrer Situation, Amelia mit ihrem Leben, Steve mit Amelia und Caleb mit seinem Geheimnis. Die detaillierten Beschreibungen von Banalitäten vermitteln einen guten Eindruck vom Leben der Figuren.
Aber gerade zum Ende hin wirkt es bemüht, dem Leser die Beweggründe er Protagonisten näher zu bringen, was aber oft nicht klappt.
Caleb war als Figur spannend und ich wollte immer eher das Geheimnis um ihn erfahren als die Tat aufklären.
Ellie dagegen hat mit dem Verlauf der Geschichte immer mehr an Sympathie verloren. Der kleine Twist am Ende ist so gut für die Geschichte aber ernsthaft?!
ACHTUNG SPOILER!
Richtig warm geworden bin ich mit ihr nicht aber als sie erst total glücklich ist über den Heiratsantrag und dann plötzlich erkennt, dass die letzten fünf Jahre mit ihrem Verlobten Collin nur "nett" waren und sie dann mit dem Polizisten zusammen ist der Collin unfair behandelt hat, weil der seinem Bruder Caleb helfen wollte. Ihrem Vater nimmt sie die Sache von damals irgendwie übel, bei ihrem Schwager Steve, der ihren Vater und Caleb erpresst hat, denkt sie aber immer nur daran, dass er ihr Wackelpudding gebracht hat als sie krank war. Und dann freut sie sich auf Mails von ihm, nachdem klar ist, dass er sein Haus in die Luft gejagt hat und verantwortlich dafür ist, dass ihre Schwester angeschossen wurde.
Wegen ihr wären es fast nur 2 Sterne geworden aber insgesamt war es schon unterhaltsam genug.